Da ich mich in letzter Zeit oft über das unsensible Verhalten meiner Mitmenschen beschwert habe, möchte ich nun ganz klar sagen, was mir geholfen hätte. Obwohl ich dieses Schicksal mit so vielen Frauen teile, wissen anscheinend die meisten Menschen absolut nicht damit umzugehen (mich vor meinem eigenen Verlust wohl eingeschlossen). Wirklich verstanden fühlte ich mich nur von Sternenmamas, aber Unterstützung hatte ich mir eigentlich auch von anderen Menschen gewünscht. Also fange ich mal an, damit künftige Sterneneltern mehr Halt bekommen.
· Sieh meinen Verlust. Ich weiß, du hast mein Kind nicht gekannt, nicht gesehen, nicht gespürt. Aber für mich war es mein Kind, ein vollwertiger Mensch, den ich über alles liebe. Also tu bitte nicht so als ob nichts wäre. Auch wenn sich im Leben scheinbar nichts verändert hat, so sieh doch bitte, dass für mich nun nichts mehr so ist wie vorher.
· Sei für mich da. Du kannst nichts tun, um mir den Schmerz zu nehmen. Das wissen wir. Da brauchen wir uns nichts vormachen. Aber du kannst mir helfen den Schmerz zu ertragen. Wie das konkret aussehen kann? Du kannst vorbei kommen, du kannst mich anrufen oder ganz simpel: du kannst mir eine Nachricht schicken. In der heutigen Zeit das Einfachste und für mich persönlich durchaus das Wirkungsvollste. Du kannst in ein paar Worten zeigen, dass du an mich denkst, an meinen Schmerz, an meine Trauer, dass du meinen Verlust siehst, dass du mir Kraft wünscht. Es kann tatsächlich so simpel sein.
· Hör mir zu. Ich fühle und denke momentan sehr viel. Die Frage nach dem Warum lässt mich nicht los. Du kannst mir diese Frage nicht beantworten, aber die Gedanken müssen raus aus meinem Kopf. Also hör doch bitte einfach nur zu, wenn ich dir mein Herz ausschütte. Ratschläge darfst du dabei für dich behalten. Auch wenn du meinst, es von außen klarer betrachten zu können als ich in meinen Emotionen gefangen, so implizieren Ratschläge oft, dass ich etwas hätte besser machen können und so das Gefühl der Schuld stärken.
· Hör mir bitte zu. Auch dann, wenn ich über mein Kind rede und es dir unangenehm ist über Beerdigung, Grabschmuck oder Andenken zu sprechen. Diese Dinge sind mir enorm wichtig, denn es ist alles, was mir von meinem Kind geblieben ist. Wenn du den Blick senkst, dich abwendest oder das Thema wechselst, verletzt du mich. Es tut mir Leid, dass es dir unangenehm ist, dich mit Tod, Trauer, Schmerz, Verlust zu belästigen, aber wenn ich dir etwas bedeute, hältst du das schon aus.
· Sag nichts Falsches. Ich denke, alles was ich bisher schrieb, macht schon deutlich, dass es grundsätzlich darum geht, den Trauernden sprechen zu lassen und selbst nur da zu sein, zu sehen und zu hören. Wenn du meinst Dinge zu sagen, wie „Es war doch noch so früh.“, „Ihr habt ja schon ein gesundes Kind.“, „Ihr seid doch noch so jung.“, „Beim nächsten Mal klappt es bestimmt.“, und so weiter und so weiter, dann machst du was falsch! Solche Aussagen sollen den Verlust kleiner machen, leichter erträglich, aber das tun sie nicht. Sie mindern den Wert meines Kindes!!!!
Während der Gespräche mit anderen Sterneneltern habe ich ihnen viele Fragen gestellt. Fragen zu den Andenken, zur Beerdigung, zum Grabschmuck, zur Namensgebung. Wie sie dieses und jenes gehandhabt haben. Wie sie dieses und jenes empfunden haben. Wie dieses und jenes bei ihnen abgelaufen ist. Fragen, die ich mich vorher nie getraut hätte zu stellen. Ich hatte Angst alte Wunden aufzureißen. Aber alle haben ausführlich geantwortet und auch wenn die Antworten so vielseitig wie wir Individuen sind, so verstand ich doch, uns alle eint die Gemeinsamkeit über unsere geliebten Kinder sprechen zu wollen. Die Erinnerung am Leben zu erhalten, auch wenn unsere Sternchen längst gegangen sind. Die alten Wunden konnten gar nicht wieder aufreißen, denn sie sind nie verheilt.
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