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Wahrheit


Meine 2-jährige Tochter und ich sind auf dem Spielplatz. Meine Tochter ist ganz fleißig dabei Sandkuchen mit dem Spielzeug eines anderen Mädchens zu bauen. Neben mir auf der Bank sitzt die Mutter jenes Mädchens und wir kommen ins Gespräch. Der übliche Smalltalk zweier Mütter, die ihren Kindern beim Spielen zusehen. Wir kennen uns nicht und das Gespräch bleibt oberflächlich. Dann kommt die Frage. Eine Frage, die der Frau ebenfalls seicht vorkommt. Eine Frage, bei der Sie sich nichts weiter denkt. Eine Frage, auf die sie eine knappe, klare Antwort erwartet. Eine Frage, die man als Mutter tatsächlich oft gestellt bekommt.

"Haben Sie noch mehr Kinder?"

"Ja. In den letzten zwei Jahren habe ich noch zwei weitere Kinder bekommen. Wir haben uns schon immer Geschwister für unsere Tochter gewünscht und den Altersabstand wollten wir gerne so gering wie möglich halten. Sie sollten einfach zusammen aufwachsen und die Welt gemeinsam als Team erobern. Das haben wir uns für unsere Kinder so sehr gewünscht.

Außerdem hatte ich mir einen perfekten 5-Jahres-Plan erarbeitet. Ich hatte genaue Vorstellungen von Elternzeit, Kitastart und unseren Karrieren. In meinem Kopf fügte sich alles perfekt zusammen mit unseren drei Kindern.

Unsere Tochter hat es zwar noch nicht begreifen können, aber immer wieder erzählten wir ihr von den Babys in meinem Bauch, dass sie bald große Schwester sei und wir mit den kleinen Engeln all die Dinge tun würden, die sie schon so sorgsam mit ihrer Puppe macht. Sie im Arm wiegen, sie füttern und wickeln. Sie im Wagen schieben und ganz viel kuscheln und küssen. 

Ihre beiden Geschwister sind während der Corona Pandemie auf die Welt gekommen. Mein Mann durfte wegen der vielen Vorsichtsmaßnahmen nie mit zu den Untersuchungen. Er hat unsere Kinder nie auf dem Ultraschallmonitor gesehen. Er hat nie den gleichmäßigen Herzschlag gehört, der mich mit so unbändiger Liebe erfüllte. Ich habe die Untersuchungen nicht mitgefilmt. Ich dachte, er hätte noch genug Gelegenheit diese Wunder, die in mir heranwuchsen, zu bestaunen. Vor allem betete ich, dass er bei den Geburten dabei sein könnte.
Doch ich war beide Male alleine im Untersuchungsraum als die Erkenntnis kam: die Herzen unserer Kinder schlagen nicht mehr."

"Nein, sie ist ein Einzelkind." 

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