Diese Sache mit der Bindung... Wie viele andere auch, bin ich auf Instagram unterwegs und als Mutter folge ich selbstverständlich den ganzen Instamuttis, die, die ihre Kinder so schön in Szene setzen, bei denen es nie dreckig ist und die den ganzen Tag freudestrahlend mit ihren Kindern spielen. Die, die über bedürfnisorientierte Erziehung predigen und vor allem über die heilige Bindung zwischen Mutter und Kind.
Seitdem ich selbst auch zu diesem Club der Mütter gehöre, reflektiere ich vieles aus meiner Kindheit, meiner Erziehung und vor allem aus dem Verhältnis zu meinen Eltern. Dieses reflektieren ist keine angenehm Sache. Man muss eben den ganzen Kram aus dem Keller hoch holen und sich überlegen, was ist das? Warum habe ich das? Will ich das behalten? Mit anderen Worten: was ist bei mir schief gelaufen und wie mach ich das bei meinem Kind besser? Während diesem Reflektieren stoße ich also in der perfekten Instawelt auf den Begriff der Bindung und überlege mir, wie ist meine Bindung zu meiner Mutter? (Nach dem ich zu einem ernüchternden Ergebnis kam, ersetzte ich 'Mutter' durch 'Vater', aber das Resultat war noch bescheidener, aber der Reihe nach...)
Wie bewertet man den Stand der Bindung? Ich dachte mir, wenn ich Entscheidungen treffe, wer unterstützt mich? Ich habe in meinem Leben viele Entscheidungen getroffen, ganz banale Entscheidungen, wie welches Auto kaufe ich mir (und wo nehm ich das Geld dafür her)? Aber auch sehr schwerwiegende Entscheidungen, wie zum Beispiel von welcher Sekte lasse ich mir mein Selbstwertgefühl zerstören? Bei keiner dieser Entscheidungen standen mir meine Eltern zur Seite. Kein einziger Rat wurde mir erteilt. Über keine einzige dieser Entscheidungen habe ich jemals mit ihnen gesprochen, weder vorher, noch hinterher. Natürlich war das mein Fehler. Sie waren ja immer da. Ich hätte sie ja fragen können. Aber wisst ihr was? Nie, nicht ein einziges Mal, bin ich auf die Idee gekommen meine Eltern zu fragen. Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, mich mit meinem Kummer, meinen Sorgen, meinen Fragen an meine Eltern zu wenden. Was meint ihr, wie ist die Bindung zu meinen Eltern so?
Und so ging ich meinen Weg, meinen ganz eigenen Weg. Bin hin und wieder abgebogen, hab auch mal die Richtung gewechselt und irgendwann fand ich zu mir selbst. Ich bin stolz auf mich, auf den Mensch, der ich geworden bin, auf die Hindernisse, die ich überwunden habe, auf den Weg, der hinter mir liegt. Aber auf diesem Weg war ich verdammt einsam unterwegs. Ich möchte meinen Eltern damit keinen Vorwurf machen. Ich weiß, sie haben immer getan, was sie für das Beste hielten. Ich weiß, dass sie selbst nie in den Genuß einer vertrauten Bindung zu ihren Eltern kamen. Ich kenne schließlich meine Großeltern und ich sage euch, meine Eltern haben es definitiv ein ganzes Stück besser gemacht als ihre Eltern. Und ich werde es noch ein Stück besser machen als sie. Ganz im Sinne des Continual Improvement Process... Oder wie war das nochmal im BWL Studium?!
Aber ich weiß natürlich, dass auch ich Fehler machen werde. Auch meine Tochter wird ihren eigenen Weg gehen müssen, aber ich hoffe sehr, dass sie immer weiß, dass sie mit ihren Sorgen zu mir kommen kann und ich ihr den einen oder anderen steinigen Abschnitt ersparen kann.
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