Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Blog starte. Berichte ich über mein Leben? Einfach so, in chronologischer Reihenfolge? Das wäre doch wirklich zu einfach und einfach ist ein Wort, das nicht zu mir passen will. Auf jeden Fall nicht zu meinem Leben. Ich hätte es gerne einfach. Definitiv. Aber aus irgendeinem Grund entscheide ich mich nie für den einfachen Weg. Immer wieder nehm ich eine Abzweigung, die die wildesten Hindernisse parat hält. Immer wieder gehe ich Wege, die mich herausfordern, die mich wachsen lassen, die mich stärker machen. Und doch will ich es einfach. Nichts wünsche ich mir mehr als ein einfaches Leben zu führen. Eine Routine, ein gleich bleibender Alltag, ein langweiliger Trott - mit anderen Worten Sicherheit, Stabilität, angekommen sein. Ist dieser Wunsch so abwegig? So unerreichbar? Oder ist dieses Ziel tatsächlich möglich? Ich weiß es nicht.
Einmal hatte ich dieses Gefühl. Das Gefühl, so kann es bleiben. So fühle ich mich wohl. Dies ist MEIN Leben. Nun bin ich ich. Darauf habe ich so lange hingearbeitet. Zu dieser Zeit lebte ich alleine - na ja, mit zwei Hunden. Ich arbeitete Vollzeit, aß bei meinen Eltern, mein Partner war weit weg und meine Freizeit verbrachte ich mit meinen Hunden im Wald. Dies war also MEIN Leben? Dies war das, worauf ich hingearbeitet habe? Was sagt es über mich aus, dass ich am zufriedensten war, als ich sozial isoliert war? Klar, ich hatte meinen Job, und die Wertschätzung, die ich dort bekam, war vermutlich die einzige, die mir je zugute kam. Aber war das alles? Das einzige, was ich zum glücklich sein brauche, ist die Wertschätzung von Menschen, für die ich arbeite? Vielleicht lautet die Antwort ja. Ich werde weiter daran forschen.
Wie ihr sicher bemerkt habt, hat dieser Zustand nicht angehalten. Ihr werdet nicht glauben, was passiert ist. Mein Partner zog zu mir, wir heirateten und wurden Eltern einer wunderbaren Tochter. Perfekt, nicht wahr? Sollte man eigentlich meinen, aber ich bestreite nun wieder einen steinigen Wegesabschnitt, der mir unheimlich zu schaffen macht. Wieder einmal sehne ich mich nach dem einsamen Trott. Der Trott, dem alle Menschen entfliehen wollen. Was stimmt denn bloß mit mir nicht?
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